Astrologie und Tarot

Astrologie und Tarot

„Die Türen zur Welt der Wildnis sind wenige, aber kostbar. Wenn du eine tiefe Narbe hast, ist das eine Tür, wenn du eine alte, alte Geschichte hast, ist das eine Tür. Wenn du den Himmel und das Wasser so sehr liebst, dass du es fast nicht ertragen kannst, dann ist das eine Tür.“
Clarissa Pinkola Estes

Im Jahr 1985 hatte ich meine erste astrologische Beratung. Ich war kaum 20 Jahre alt, hatte das musikwissenschaftliche Studium an der Universität von Kopenhagen angefangen, mit dem großen Wunsch klassischer Sänger zu werden.

Eine liebe Freundin an der Uni hatte eine Beratung mit einem renommierten dänischen Astrologen, Paul Mahler Dam, gehabt. Ich fand das sehr spannend, rief ihn an und buchte meine eigene Beratung. Drei Wochen später besuchte ich ihn und seine hellseherische Frau Anne-Lise in ihrem Haus in Glostrup, einem Kopenhagener Vorort.

Der Preis war wahnsinnig, 750 dänische Kronen, 100 Euro. Zu der Zeit war das eine Menge Geld, besonders für einen Studenten. Aber es gab mir eine Einführung in der Welt der gut angewandten Astrologie und einen umwerfenden Überblick über meine persönlichen Stärken und nicht zuletzt über die großen Herausforderungen, die mich in meinem Leben begleiten würden.

Wie sie sagten, die Astrologie kann uns zeigen, welches Potenzial und welche Gefahren in uns und vor uns liegen, aber wir müssen selbst lernen unser Raumschiff zu steuern. Nach der Beratung wurde ich zum Essen eingeladen, und wir haben den Abend mit gemeinsamem Singen beendet.

Das Geld war, fand ich, gut ausgegeben. Es war mir klar, dass Astrologie ein hilfreiches Werkzeug war, das sicherlich direkt zu mir sprach.

Einer der Ratschläge, die sie mir gaben, war einfach loszusingen.  Später im Leben würde ich viel tiefer in die Sache blicken, in einer ganz anderen Weise als derzeit singen und sogar Menschen mit dem Tod und mit dem Sterben durch mein Singen helfen können.

Das war natürlich sehr albern und komisch für einen 19-Jährigen, aber ich nahm das erste Teil des Ratschlags zum Herzen und sang los. Es war so wie so nicht besonders schwierig.

In den Pausen zwischen dem Lossingen las ich Bücher über Astrologie. Ich brachte mir bei, ein Horoskop zu berechnen, damals wurde es alles per Hand gemacht, und es brauchte eine gute Menge Berechnung alles richtig zu bekommen. Begeistert gab ich Freunden freie Einblicke. Die sie erstaunlicherweise ganz treffend fanden.

1987 habe ich für Die Königliche Dänische Musikhochschule vorgesungen und wurde als Sologesangs-Student angenommen.  Meine Gesangslehrerin Kisten Hermansen war auch Astrologie-süchtig, aber abgesehen davon war ich vom Singen so begeistert/besessen, dass ich die Astrologie in einer Schublade im Schrank ließ, mit dem Gedanken an einem regnerischen Tag die Bücher wieder aufzumachen. Ich sang los.

22 Jahre später, in 2009, nach viel Singen und zu vielen regnerischen Tagen, ich war durch eine Trennung und eine Reihe von sexuellen Krankheiten gegangen, fand ich mich gleichzeitig deprimiert und sehnte mich danach, ein neues Leben zu starten. Ich zog nach Berlin und merkte, dass es Zeit für eine neue astrologische Beratung war.

Zu der Zeit kannte ich schon einige meiner persönlichen Herausforderungen ganz gut. Eine von denen ist eine sonst sehr praktische Fähigkeit, sich in das Denken anderer, in die Sphären der Musik, und in andere Welten einzustimmen.

Aber es konnte sich auch leicht wie eine sehr leichtgläubige Naivität erzeigen. Oft würde ich fast alles glauben was sogenannte okkulte Experten sagen würden.

Ich suchte durch das Internet und fand einen Mann, der auch als Psychologe ausgebildet war, den Leiter von Berlin Astrologie Zentrum Markus Jehle.

Markus war gut wie Gold, er gab mir den zweiten großen Impuls meines Lebens zur Welt der Astrologie. Eine der bemerkenswerten Sachen, die Markus zu mir sagte, war dass ich dabei war durch eine große Transformation zu gehen, dass ich mich selbst nachher kaum wiedererkennen würde. Und dass, wenn alle glauben würden, dass ich total fertig wäre, ich dann wiederaufstehen und nie wieder stoppen würde.

Zu der Zeit brachte ich mir auch das Arbeiten mit dem Tarot bei, ein anderes wunderbares Werkzeug, das direkt zu mir sprach.

Sehr viel war seit den 80er Jahren in der Welt der Astrologie passiert.

Die Computer konnten jetzt die Horoskope berechnen, so wurde diese harte Arbeit jetzt viel einfacher. Bessere Teleskope hatten neue astrologische Glieder entdeckt, Asteroiden, die ein interessantes Gewürz zu der traditionellen Astrologie gaben.

Wesentlich war dabei ohne Zweifel das Entdecken (1977) und die Implementierung von dem Kentaur Chiron, dem sogenannten Verwundeten Heiler.

Die sozialen Medien hatten es ermöglicht Gedanken und Einblicke mit gleichgesinnten Studenten und Meister zu teilen. Es waren viele verschiedene Wege, die man gehen konnte, und viele verschiedene Zugänge zur Astrologie.

Zu meiner Freude lernte ich eine wunderbare Gruppe von Astrologen und Tarot-Leser durch Facebook-Gruppen kennen. Viele entzückend verrückte (anders begabte) Leute, einige von den mit einer Verrücktheit, die gut zu meiner eigenen sprach. Einige von denen fühlen sich wie enge Freunde an, ohne dass wir einander getroffen haben.

Meine Begeisterung war eben so groß oder vielleicht noch größer als in den alten Tagen. Es war zu der Zeit klar für mich, dass ich Wege finden musste mein Raumschiff aus den tiefen Löchern zu steuern, zu denen es sich sehr angezogen fühlte aber schwierig wieder davon rauszukommen. Es war also nicht nur des Spaßes wegen.

Da ich mehr als 20 Jahre Studium weggesungen hatte, fühlte ich mich manchmal auf ein anderes Niveau als die anderen Astrologen meiner Generation.

Aber ich lernte immer schnell, und ich stellte fest, dass die Mischung von Sensitivität und Genauigkeit, die man braucht, um eine musikalische Partitur zu lesen und zu interpretieren, die ich so viele Jahre ausgeübt hatte, sehr leicht mit den notwendigen Fähigkeiten verglichen werden konnten, um ein Horoskop oder eine Tarot-Legung lesen und deuten zu können.

Meine persönlichen Herausforderungen mit sexuellen Krankheiten und Drogenkonsum gaben mir einzigartige Erfahrungen, die man absolut nur im Schlachtfeld lernen kann.

Es hatte mir absolut meinen eigenen Zugang (und Stimme) gegeben, die tatsächlich für meine Astrologie-Genossen und für die Menschen, für die ich las, inspirierend war.

Nach einigen sehr schwierigen Jahren, wo ich oft dachte, dass es unmöglich war mich durch die Drogensucht zu arbeiten, gelang mir 2016 ein Neustart.

Man kann sehr leicht den Kampf mit einer Sucht mit einer Art von wiederholtem Sterben vergleichen, und ich stellte fest, dass es sehr viel Sinn für mich machte, einen wichtigen Teil meines Sängerlebens zum Trost in Trauer zu widmen.

Ein anderes Geschenk, das ich auf meinem Weg entdeckte, war mein Gespür für Humor, das mir sehr geholfen hat viele der lächerlichen Herausforderungen zu bearbeiten, denen ich mich mit einem unwiderstehlichen Drang aussetzen musste.

Was für einen 19-Jährigen unverständlich schien, dass ich einen Sinn finden würde über den Tod zu singen, und was für den 44-Jährigen unüberschaubar schien, dass es möglich war das Licht nach dem Tunnel wieder zu sehen, sind jetzt für mein Leben als 57-Jähriger angewandte Erfahrungen.

Sensitivität, Humor und ziemlich viel altmodische klassische Disziplin haben mir auf meinem Weg enorm geholfen, und es ist eine Quelle von großer Freude, wenn ich Mitreisenden ein wenig auf ihrem Pfad begleiten kann.

Ich kann mich immer noch in anderen schön einstimmen, ich bin zum Glück immer noch ein Enthusiast, aber viel der kindischen Naivität musste auf dem Weg gelassen werden. Meine Mitmenschen so wie sind zu sehen und zu mögen, ist nicht der schlimmste Austausch.

Astrologie und Tarot – warum?

Was macht denn Astrologie und Tarot so spannend, warum finden einige von uns so viel Sinn in diesen Bereichen? Und warum lehnen sie andere so wütend ab?

Es ist einfach, keinen Sinn in dem Ziehen von einer zufälligen Karte zu finden und ihr einen Sinn in der gegebenen Situation zu geben. Es ist auch leicht zu argumentieren, dass ferne Sterne kaum einen Einfluss auf dem Charakter einer Person oder auf unserer Zeitqualität haben können.

Aber es ist nicht die Absicht von diesem Schreiben jemand zu überzeugen.

Manche kommen zu einer Lesung aus reiner Neugierde, aber viele Leute kommen, wenn eine Situation unerträglich geworden ist, wenn das organisierte therapeutische System keine Hoffnung oder Lösung anbietet.

In solch einer Situation können die Astrologie und das Tarot dir helfen, dich mit einer anderen Frequenz zu verbinden, die dir einer anderen Perspektive geben kann.

Einige kommen zu einer Lesung im ganzen Leben und andere benutzen dann diese Möglichkeit als ein wiederholter Begleiter.

Astrologie

„Deine Verwirrung ist keine Pathologie, sie ist ein Weg. Sie hat dir etwas zu zeigen, das Klarheit niemals enthüllen könnte. Die Natur des Chaos ist Weisheit, aber du musst einen sicheren Weg bieten, damit sich das Mysterium entfalten kann.“

Matt Licata

Wenn du eine musikalische Partitur lesen kannst, kannst du die ganze musikalische Entwicklung eines Stückes mit deinem inneren Ohr hören.

Meine erste Horoskopzeichnung

Wenn du ein Horoskop lesen kannst, kannst du die genaue Zeitqualität eines gegebenen Moments sehen, am meisten den Moment der Geburt eines Menschen.

Wenn du eine Ephemeride lesen kannst, eine Tabelle, die die Bewegungen der Planeten zeigt, kannst du die Entwicklung der Zeit verstehen.

Du kannst den basalen Charakter eines Menschen sehen, wie er handelt, was so leicht geht, dass er gar nicht bemerkt, dass es gut geht, welche Herausforderungen, denen er immer wieder im Leben unterworfen wird. Ob er gut oder böse ist, ist nicht deine Sache zu beurteilen.

Du kannst sehen wann welche Teile des Lebens herausgefordert oder blockiert werden, und wann es leichter ist voranzugehen.

Du kannst nicht die Hindernisse entfernen, deine Eltern werden immer noch etwas Falsches gemacht haben, dein Liebhaber wird dich immer noch verlassen oder du ihn, du wirst immer noch krank werden und eines Tages wirst du auch sterben.

Aber durch ein Verständnis von dem Geschehen von einer bestimmten Herausforderung, kannst du sowohl eine Akzeptanz entwickeln, warum sie eben jetzt passiert, und eine Einstellung finden mit der Herausforderung zu arbeiten, statt sie zu widerstehen.

Du kannst lernen ein Leben zu gestalten, wo du selbst mehr von den basalen Bedürfnissen zur Verfügung stellst, die dich nähren und Freude geben.

Wenn du nicht ganz Situationen und Personen vermeiden kannst, die deine Energie und deinen Mut rauben, kannst du lernen, wie du dich nicht so schwer von deren Handlungen beeinflussen lässt.

Wenn du weißt, dass eine schwierige Lage Monate dauern wird, kannst du deine Ausdauerfähigkeit trainieren und langsam weiterkommen, statt einen verlorenen Kampf zu kämpfen, die Situation sofort zu lösen.

Du wirst oder wirst nicht einen großen dunklen Fremden treffen. Du kannst jedoch lernen, seine gewünschten Charakterzüge in dir selbst zu finden.

Tarot

„Große Helden brauchen große Sorgen und Lasten, sonst bleibt die Hälfte ihrer Größe unbemerkt. Es ist alles Teil des Märchens.“

Peter S. Beagle, Das letzte Einhorn

Ein Psychotherapeut sagte mir einmal, dass er die Astrologie und das Tarot wie ein poetisches therapeutisches Werkzeug sah. Da ich selbst dichte, konnte ich mich leicht mit diesem Bild verbinden.

Was macht die Poesie? Unter anderem erhebt die Poesie die Worte in eine andere Wellenlänge, wo du eine Möglichkeit bekommst, eine Situation von einer anderen Perspektive zu erleben und dadurch eine andere Einsicht bekommst. Ein Sänger mit Gespür von Poesie kann ein Wort in seinem Mund schmecken.

Bei einer Tarot-Lesung in den alten Zeiten würden dir eine Menge Sachen von der äußeren Welt begegnen.

Du würdest in der Tat diesen dunklen Fremden treffen, du würdest Geld bekommen oder verlieren, es würde dir gesagt, ob er dich wirklich liebt, eine liebe Person würde erkranken, sich erholen oder sterben.

Solche Sachen passieren immer noch. Jeden Tag. Besonders auf Marktplätzen und Ländermessen.

Heutzutage benutzen die meisten Tarot-Leser die Karten aber, um nach inneren Bedeutungen zu suchen.

Ein Tarot-Leser kann eine einzelne Karte oder eine ganze Legung als eine Indikation von den Themen sehen, die sich in einer gegebenen Lage ausleben.

Ist es Zeit zu handeln, Zeit zum Nachdenken, Zeit für Freude oder Zeit für Trauern. Oft ist es gleichzeitig eine Mischung aller Komponenten.

Das Tarot arbeitet mit dem gleichen Verständnis der Elemente wie die Astrologie in den kleinen Arkana (das kleine Geheimnis). Es gibt 13 Karten jeweils für Feuer (Leidenschaft), Erde (Körper), Wasser (Gefühle) und Luft (Gedanken).

Ist eine Legung von Stäben (Feuer) dominiert, ist es Zeit zu handeln, von Münzen (Erde) geht es um deinen Körper und um deine materielle Wirklichkeit, von Kelchen (Wasser) um deine Gefühlswelt und von Schwertern (Luft) geht es darum, wie du denkst, konstruktiv oder destruktiv.

Das Tarot bietet auch die sogenannte „Reise des Helden“ an. Die 22 Karten des Großen Arkana (Das große Geheimnis) macht einen Weg für unsere ewigen persönlichen Reise auf, wie wir der Held unseres eigenen Lebens werden.

Nicht alle heroische Kämpfe geschehen im Krieg, nicht alle Helden müssen einen Drachen umbringen. Aber auf der Reise des Helden kann das Tarot dir helfen, deinem eigenen inneren Drachen ins Auge zu schauen und dich mit ihm befreunden. Und ihm vielleicht auch das Tanzen beizubringen.

Für mich ergeben diesen beiden wunderbaren Werkzeuge viel Sinn. Sie haben mir ohne Zweifel beigebracht, mich selbst besser zu verstehen und warum besondere Sachen zu einem besonderen Zeitpunkt passieren.

Es macht nicht notwendigerweise eine schwierige Situation einfacher zu verstehen, warum sie passiert.

Aber für eine ungeduldige handlungsorientierte Person wie mich, ist das Lernen mir Auszeiten zu geben, all die tollen Aktivitäten mit gemütlichen Stunden zu mischen, zu vertrauen, dass Sachen sich entwickeln und zur richtigen Zeit blühen, wirklich ein großes Geschenk geworden.

„Helden wissen, dass Dinge passieren müssen, wenn es an der Zeit ist, dass sie passieren. Eine Quest darf nicht einfach abgebrochen werden; Einhörner können für lange Zeit nicht gerettet werden, aber nicht für immer; Ein Happy End kann nicht mitten in der Geschichte stehen.“
Peter S. Beagle, Das letzte Einhorn