Besessen - Besetzt

Flugblatt der deutschen Besatzungsmacht am 9. april 1940 an die Dänen und Norweger

Besessen - Besetzt
Berlin trifft Kopenhagen

 

In der deutschen Sprache wird unterschieden zwischen besessen und besetzt. Auf dänisch gibt es hierfür nur ein Wort: besat!

 

Die deutsche Besetzung von Dänemark 1940 und die Reaktion der dänischen Regierung und des dänischen Volkes gegenüber der Besatzungsmacht, besonders am Anfang des Krieges, ist noch bis heute ein heikles Thema in Dänemark.

 

Die Zensur der Besatzungsmacht führte in der kopenhagener Revueszene dazu, dass sie all ihren Witz und Verstand entfalten musste, um Anspielungen auf Freiheitssehnsüchte poetisch zu umschreiben.


Besonders der Architecht, Freidenker und Autor Poul Henningsen benutzte die Gelegenheit dazu, in sublimer Weise die persönliche, nicht zuletzt die erotische, Freiheit allen Arten von Übergriffen und Besetzungen entgegenzustellen.

 

Die heitere Leichtigkeit dieser Lieder vor dem ernsten Hintergrund machen sie besonders ergreifend. Und gerade so bestärkten sie Teile der dänischen Bevölkerung darin, echte Zivilcourage zu zeigen. Die Rettung der meisten dänisch/jüdischen Mitbürger ist bis heute noch eine der besten Zeugnisse hierfür.

 

In Berlin herrschte Diktatur, Unterdrückung und Vernichtung. Dennoch entstanden auch während der Nazi-Zeit unvergessliche Lieder wie zum Beispiel ”Lili Marleen” und ”Ich weiss, es wird einmal ein Wunder geschehn”.

 

Die Besessenheiten der Menschen und die Besetzungen der Nationen verbergen in der Konzertvorstellung die Frage: Kann ich mich einem Menschen ganz hingeben und dennoch ich selber bleiben?

 

Nach der Kabarettvorstellung ”Ein Bisschen Leichtsinn”, über das vulkanische Berlinerleben in den 20'er Jahren, konzentrieren sich Dirk Rave und ich in unserem ersten, gemeinsam geschaffenen Programm auf die Musik vor, während und nach dem 2. Weltkrieg in Berlin und Kopenhagen. Viele der dänischen Lieder werden zum ersten Mal in deutscher Übersetzung erklingen.

 

Die musikalischen Antworten fokussieren sich um Berlin und Kopenhagen der 30'er, 40'er und 50'er Jahre. Es gibt Abstecher in die Antike, so wie dänische und deutschen Erfolge und Niederlagen beim Grand Prix d'Eurovision de la Chanson.

 

Die Vorstellung hate am 8. Oktober in LiteraturHaus in Kopenhagen Premiere. Die Deutschlands-Premiere war 23. Februar im Zimmertheater Steglitz